Der Ort

Berliner Prater-Theater um 1900
© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Berliner Prater-Theater um 1900 © Stiftung Stadtmuseum Berlin

Der Kultstatus des Berliner Praters ist bis heute ungebrochen. Als Gartenlokal 1837 von Kaffeehausbetreiber Kalbo eröffnet, lockte er seit jeher Erholungssuchende und Erlebnisfreudige ins Grüne – egal ob Beamte, Kaufleute oder Dienstpersonal. Bald schon kamen kulturelle Highlights im Saal und auf der Freilichtbühne hinzu. Orchester spielten auf, zahlreiche Besucher:innen erfreuten sich an Sommertheater und Tanztee, Variéte samt Seiltänzerakrobatik in schwindelerregenden Höhen, Ringkämpfen und im Billiardsalon. Künstler:innen mit Rang und Namen, von Nah und Fern, fanden den Weg auf die Bühnen des Praters.

Nachwuchs-Boxen im Prater, 15.05.1949
© Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Dorin Alexandru Ionita

Nachwuchs-Boxen im Prater, 15.05.1949 © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Dorin Alexandru Ionita

Ab 1917 wurde der Theatersaal vor allem als Lichtspielhaus genutzt, 1949 als erstes DEFA-Lichtspieltheater eröffnet. Mittlerweile im städtischen Umfeld angesiedelt, trafen sich im industriellen Zeitalter die Arbeiter:innen der Nachbarschaft hier zum Feierabendbier. Der Prater entwickelte sich im Zuge dessen zur politischen Kundgebungs- und Versammlungsstätte der Arbeiterbewegung. Zu DDR-Zeiten wurde er schließlich Kreiskulturhaus. Er bot Raum für Chöre, das Deutsch-Sowjetische Artistenfest, Pantomimentheater, Konzerte, Ausstellung, Maifeierlichkeiten, Veranstaltungen von Arbeiterjugend und Partei. Geschwooft wurde weiterhin auch im Garten. 1973 zog gegenüber des Praters die kommunale Galerie ein. Nach der Wende bespielte die Volksbühne das Bezirkshaus. Theatermacher:innen wie Christoph Schlingensief, Christoph Marthaler und René Pollesch boten hier legendäre Theatererlebnisse.

Programm Berliner Prater, 1989/1990
© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Programm Berliner Prater, 1989/1990 © Stiftung Stadtmuseum Berlin

Heute steht der Prater inmitten des pulsierenden Alltags- und Besuchsquartiers, kunst- und kulturlebendigen Lebensort, Kastanienallee, Prenzlauer Berg. Frisch saniert öffnet er im Jahr 2021 nach längerer Schließzeit seine Pforten auf’s Neue. Die kommunale Galerie Prater bietet ein zeitgenössisches Ausstellungsprogramm, die Volksbühne im großen Saal wieder Theater der Extraklasse. Biergarten und Gasthaus laden in den Pratergarten nebenan.

Bauarbeiten, 2020
© Prater Galerie

Bauarbeiten, 2020 © Prater Galerie