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Online livestream: eeefff mit Medina Bazargali © eeefff

Diskurs

Virtuelle Tour und Expert Talk: 87000 km

28.04.2026
17:00 –18:00 Uhr

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Teilnahmelink wird hier veröffentlicht.

fiber optic cables ↔ oil ↔ protest ↔ signal ↔ body ↔ lead

87.000 km lang sind die in Kasachstan verteilten Glasfaserkabel, deren Internet EXchange Points (IXP) zentralisiert sind. Einerseits wird das hocheffiziente Netzwerk von staatsnahen Firmen verwaltet und kontrolliert, anderseits bietet die digitale Infrastruktur Möglichkeiten des globalen Austauschs für alle. Was passiert, wenn während der Herstellung und der Aufrechterhaltung das fragile System instrumentalisiert wird?

Im Rahmen ihrer künstlerischen Forschung für Prater Digital lädt das Kollektiv eeefff zu einer Reihe von Expert Talks und virtuellen Touren ein. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf der Verflechtung von industriellen, militärischen und ökologischen Infrastrukturen. Es kommen Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Denker:innen miteinander ins Gespräch, deren Arbeiten und Reflexionen sich thematisch oder methodisch daran anschließen.

In der zweite Veranstaltung 87000 km begrüßen wir die Künstlerin Medina Bazargali. Sie untersucht die materiellen Zusammenhänge von Rohstoffförderung, digitaler Infrastruktur und staatlicher Kontrolle in Kaschastan. Darüber hinaus zeigt sie wie diese Zusammenhänge sich in Körpern, Signalen und politischem Widerstand manifestieren.

Bazargali fokussiert sich auf die Materialien Erdöl und Blei. Beide sind negativ und positiv besetzt: Erdöl ist Teil der energetischen und chemischen Infrastrukturen, die das Internet tragen, und durch seinen staatlich kontrollierten Export in Kasachstan zugleich entscheidend für das gegenwärtige politische Regime des Landes.

Blei wiederum taucht Material sowohl in den Infrastrukturen des Internets als auch in Munition auf. Sein Einsatz kann tödliche Gewalt nach sich ziehen, zugleich wird es aber auch im kasachischen Ritual қорғасын құю (Bleigießen) verwendet: Geschmolzenes Blei wird in Wasser gegossen, die entstehenden Formen dienen dazu Angst und das Ausmaß eines Schadens zu deuten – eine alternative Infrastruktur, die Materie in Bedeutung übersetzt.

Öl, Kabel, Körper, Signal, Protest: In Bazargalis Arbeit sind dies keine getrennten Aspekte, sondern Teile einer materiellen Verflechtung. Das Gespräch schließt damit an zentrale Motive der Arbeit von eeefff an: wie industrielle, militärische und digitale Infrastrukturen einander bedingen.

Medina Bazargali

Medina Bazargali (*2001, Almaty, Kasachstan) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, Softwareentwicklerin, Kuratorin und Forscherin. Sie arbeitet experimentell mit Sound, Installation, Video, Live-Coding, cyber-physischen Systemen und Computer Vision. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich durch ironisch überzeichnete politische Realitäten, in denen Internet, digitale Infrastrukturen und (post-)totalitäre Regime aufeinandertreffen, im Spannungsfeld zwischen globalen Technologien und lokalen Lebenswelten, wo radioaktive koloniale Überreste, digitale Revolution und die Erforschung kasachischer Identität untrennbar ineinander verwoben sind.

eeefff

eeefff (Minsk/Berlin) ist ein künstlerisches Kollektiv an der Schnittstelle von Poetik und Politik neuer Technologien. Das Kollektiv arbeitet mit Emotionen und Affekten, die durch Technologien geprägt sind und realisiert softwarebasierte Projekte, Publikationen, Netzwerke und Plattformen, die digitale Arbeit, Verwertungslogiken und Gemeinschaftsbildung kritisch untersuchen.